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Waldheim - The Art of Forgetting


Antragsteller: Ruth Beckermann Filmproduktion
Genehmigungsjahr: 2016
Fördersumme: € 94.000
Regie: Ruth Beckermann
Genre: Kompilationsfilm
Drehorte: Kompilationsfilm aus Archivmaterial

Dies ist ein Film über Lüge und Wahrheit. Über individuelles und kollektives Bewusstsein. Über die Verstrickungen, in die das Verschweigen eines Teils seiner Geschichte Kurt Waldheim brachte. Trotz seiner steilen Karriere, deren Höhepunkt seine zehnjährige Amtszeit als Generalsekretär der UNO war, brachte ihn die beharrliche Weigerung, seine Rolle während des Krieges und der NS-Zeit aufzuklären, in arge Bedrängnis. Parallel dazu und unmittelbar damit verbunden geht es um Lüge und Wahrheit im kollektiven Gedächtnis Österreichs. Mit großem Erfolg gelang es Österreich, der Welt und sich selbst weis zu machen, es sei das erste Opfer der deutschen Nazis gewesen. Obwohl eine ganze Generation die Wahrheit kannte, wurde in ofziellen Reden, Büchern und Heimatflmen das Bild der Unschuld reproduziert. Dies konnte unter anderem deswegen gelingen, weil die Rückkehr der vertriebenen überlebenden Juden weitgehend verhindert, bzw. auch die Erinnerung an sie möglichst unterdrückt wurde. Der Film führt das individuelle und kollektive Bewusstsein zusammen. Er zeigt, wie sich langsam tiefer liegende Bewusstseinsschichten ihren Weg bahnen. Dies geschieht durch regelmäßige Ausbrüche eklatanter NS-Kontinuitäten wie den Afären Borodajkewycz (1965), Kreisky-Peter-Wiesenthal (1975) oder Frischenschlager-Reder (1985), die zu kurzfristigen Skandalen ohne Folgen führten. Aber auch durch den wachsenden Unmut der Nachgeborenen über das Verhalten ihrer Eltern. Die Afäre Waldheim der Jahre 1986-88 zeigt in rasant aufeinander folgenden Ereignissen den Zusammenbruch des Opferlügen-Kartenhauses und den Aufbruch zu einer freieren Gesellschaft.